Testament

I. Fallen und Tücken beim eigenhändigen Testament

 

Wenn Sie diese Zeilen lesen, interessieren Sie sich für die Errichtung eines Testamentes nach deutschem Recht. Sie gehören somit laut statistischen Erhebungen zu einer fast verschwindend kleinen Minderheit in Deutschland.

 

Grundsätzlich sollten Sie beachten, dass die Errichtung eines Testamentes neben einer Patientenverfügung und ggf. einer Vorsorgevollmacht die Grundsäulen einer Vorsorgeplanung darstellen. Es bestehen massive Irrtümer zur gesetzlichen Erbfolge. So hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der Ehegatte nach dem Tode des anderen allein erbt. Dies ist bei leiblichen Abkömmlingen, gleich aus welcher Ehe, falsch. Nicht selten entstehen gerade bei kinderlosen Ehen Erbgemeinschaften des Längstlebenden mit entfernten Verwandten des Verstorbenen als Miterben, wenn kein Testament errichtet wurde. In manchen Konstellationen und Zeitabfolgen kommen damit sogar Ehegatten von Geschwistern oder Neffen und Nichten des Erblassers zu einem Miterbenanteil.

Erbstreitigkeiten können bereits vor dem Todesfall verhindert werdenl, indem die geplanten Regelungen nicht verheimlicht, sondern mit allen Beteiligten offen angesprochen werden. Dies verhindert Überraschungen in jeglicher Richtung.

 

Damit Ihre Verfügung nicht das Schicksal von ca. 95% der ohne Beratung errichteten Testamente teilt und aus grundlegenden formalen Gründen unwirksam ist, möchte ich Sie mit diesem Merkblatt auf die wichtigsten Formvorschriften eines Testaments nach deutschem Recht aufmerksam machen. Dieses Merkblatt erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt keine anwaltliche Beratung.

 

Das fünfte Buch des Bürgerlichen Gesetzbuches ist das umfangreichste und es behandelt praktisch nur das Erbrecht.

 

So können auch Testamente in verschiedenen Formen errichtet werden (eigenhändiges Testament, öffentliches Testament, Nottestament, etc.). Selbst der Erstdruck der Informationsbroschüre des Bundesjustizministeriums enthielt Fehler bei der Darstellung von Erbquoten und Angaben zu Erbordnungen.

 

An all dem wird erkennbar, wie komplex und schwierig viele erbrechtliche Fragen sind. Besonderheiten Ihres Testaments können sich aus Umständen ergeben, denen Sie persönlich bei der Testamentserrichtung keine besondere Bedeutung beimessen, wie etwa Ihrer Staatsangehörigkeit oder der Lage von Besitz im Ausland.

 

Bitte beachten Sie daher, dass das vorliegende Informationsblatt nur erste Grundinformationen zum eigenhändigen Testament geben soll. Es kann und soll keine fachkundige Beratung ersetzen, da diese nur unter Berücksichtigung aller Umstände des konkreten Einzelfalls möglich ist. Darauf darf ich an dieser Stelle nochmals ausdrücklich hinweisen.

 

Für Aktualität und Richtigkeit dieses Informationsblattes wird keine Gewähr übernommen.

 

 

II. Formalien eines eigenhändigen Testaments

 

1. Eigenhändiges Testament: „was muss beachtet werden?“

 

  • Eigenhändige Abfassung

Die Grundvoraussetzung für die Wirksamkeit eines eigenhändigen Testamentes ist die zwingende vollständige handschriftliche Abfassung des Testamentes mit eigener Hand. Ihr letzter Wille ist von der ersten bis zur letzen Zeile handschriftlich festzuhalten. Blockbuchstaben genügen dieser Anforderung nicht! Auch wenn es Ihnen angesichts der Bedeutung „ordentlicher“ erscheint, darf keine Zeile des Testaments mit der Schreibmaschine oder mit dem Computer verfasst sein.

 

  • Eigenhändige Unterschrift

Das Testament ist selbstverständlich auch eigenhändig zu unterzeichnen. Unterschreiben Sie bitte mit Ihrem vollen Vor- und Familiennamen, ggf. Geburtsnamen, um Verwechslungen zu vermeiden.

 

Bei Verstoß gegen diese zwingenden Formvorschriften ist das Testament unwirksam, so dass die gesetzliche Erbfolge oder der Inhalt eines früheren Testamentes, soweit dieses nicht gesondert wirksam widerrufen wurde, eintritt.

 

 

 

2. Eigenhändiges Testament „was sollte formal beachtet werden?“

 

  • Zeit und Ort

Das Testament soll Zeit und Ort enthalten, damit bei mehreren Testamenten klar erkennbar ist, was tatsächlich ihr zeitlich letzter und damit ausschließlich maßgeblicher Wille war. Das jüngere Testament hebt das ältere auf. Existieren mehrere, sich widersprechende, undatierte Testamente, kann dies zur Unwirksamkeit aller Testamente führen.

 

  • Weitere persönliche Vorraussetzungen/Testierfähigkeit

Um ein eigenhändiges Testament errichten zu können, müssen Sie geschäftsfähig, schreibkundig und im Vollbesitz Ihrer geistigen Kräfte, also „testierfähig“, sein. Wollen Sie Zweifel ausschließen, sollten Zeugen bei der Testamentserrichtung anwesend sein. Dies ist jedoch nicht zwingend erforderlich. Möglich ist auch, die Testierfähigkeit zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung durch ein ärztliches Attest dokumentieren zu lassen.

 

  • Aufbewahrung

Auch handschriftliche Testamente können beim Amtsgericht gegen eine verhältnismäßig geringe Gebühr hinterlegt werden, damit das Schriftstück nicht verloren gehen kann. Soweit es nicht hinterlegt wird, sollten Sie sicherstellen, dass es auch zeitnah nach Ihrem Ableben gefunden wird.

 

  • Textträger

Grundsätzlich können Sie Ihr Testament „auf einem Bierdeckel“ machen, wenn denn die Not Sie zwingt. Sollten Sie Ihre Verfügungen jedoch auf Papier festhalten, bedenken Sie, dass mehrere Seiten fest verbunden sein müssen, u.a. um dem Einwand zu entgehen, jemand habe eine Seite hineingelegt oder herausgenommen. Nummerieren Sie die Seiten und unterschreiben Sie am Ende jeder Seite und am Ende des Textes. Machen Sie in der Urkunde nicht irgendwann Ergänzungen oder Streichungen. Dies erweckt u.U. den Verdacht, dass Sie diese nicht selbst vorgenommen haben. Ergänzungen können zur Unwirksamkeit des ganzen Testamentes führen.

 

3. Das Ehegattentestament

 

Ehegatten oder Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft genießen den Vorzug, Ihren letzten Willen in einem gemeinsamen Testament niederlegen zu können. Dies geschieht bei einem eigenhändigen Testament beispielsweise so, dass einer der Ehegatten den Text handschriftlich aufschreibt und beide Ehegatten mit Vor- und Zunamen unterschreiben. Jeder Ehegatte sollte hierbei Ort und Datum zur Unterschrift setzen. Die o.g. Hinweise müssen alsdann von beiden Partnern beachtet werden. Beachten Sie bitte auch die Hinweise unter B.

 

 

III. Was Sie inhaltlich in einem Testament unbedingt beachten sollten

 

Nachstehend finden Sie eine Auswahl kurzer Hinweise zur inhaltlichen Gestaltung eines Testaments, ohne Vollständigkeit und Richtigkeit für sich zu beanspruchen.

 

  • Tiere können nach deutschem Recht nicht erben. Soweit Sie die Versorgung eines Tieres sicherstellen wollen, müssen andere Konstruktionen gewählt werden.
     
  • Bitte überschreiben Sie Ihr Testament auch als solches, damit es nicht versehentlich vernichtet oder in Ihren Unterlagen übersehen wird.

 

  • Beim Ehegattentestament wird in vielen Fällen inhaltlich das sog. „Berliner Testament“ verwendet, in dem sich beide Ehegatten wechselseitig zu Erben und die Kinder zu Schlusserben einsetzen. Dies kann aus steuerlichen Gründen bedenklich sein, denn bei dieser Lösung bleiben u.a. die Freibeträge der Kinder im ersten Erbfall ungenutzt. Beachten Sie auch, dass gemeinschaftliche testamentarische Verfügungen nach dem Tod des Erstversterbenden für den Letztversterbenden bindend werden können. Auch zu Lebzeiten ist eine Änderung ohne Mitwirkung des anderen Ehegatten nur unter Einhaltung strenger Formvorschriften möglich.

 

  • Bedenken Sie, dass Sie in Ihrer Testierfreiheit vielleicht durch einen Erbvertrag oder ein gemeinschaftliches Testament gebunden sind und gar nicht mehr frei testieren können (s.o. „Berliner Testament“). Lassen Sie dies im Zweifel prüfen.

 

  • Widerrufen Sie im Testament ausdrücklich alle vorherigen Verfügungen, da unklar sein könnte, inwiefern die Regelungen sich widersprechen und welche fortgelten sollen.

 

  • Benennen Sie bitte ausdrücklich einen oder mehrere Erben. Nur der oder die Erbe/-n werden Ihre Rechtsnachfolger und treten in alle Ihre Rechte und Pflichten ein.

 

  • Vermächtnisse: Sie können einer Person auch „etwas vermachen“. Ein Vermächtnis ist auf die konkrete Zuwendung beschränkt und von dem oder den Erben zu erfüllen. Wenn Sie allen im Testament bedachten Personen lediglich etwas vermachen, kann es schwierig sein festzustellen, wer denn nun Erbe und wer nur Vermächtnisnehmer sein soll.

 

  • Mehrere Erben: Soweit Sie mehrere Personen gemeinsam zum Erben einsetzen, bilden diese eine Erbengemeinschaft, die auseinandergesetzt werden muss. Hier kann es sinnvoll sein, eine Testamentsvollstreckung anzuordnen.

 

  • Erbengemeinschaften sind äußerst streitträchtig. Versuchen Sie diese zu vermeiden.
     
  • Denken Sie daran, eine/n Ersatzerben/in oder eine/n Ersatzvermächtnisnehmer/in zu benennen.
     
  • Bestattungsanordnungen: Soweit Sie testamentarisch besondere Anordnung für ihre Bestattung getroffen haben oder treffen wollen, so bedenken Sie bitte, dass Ihr Testament voraussichtlich bis zu Ihrer Beisetzung noch gar nicht eröffnet oder gefunden wurde. Treffen Sie derartige Anweisungen daher bitte auch in Ihrer Patientenverfügung oder Betreuungs- und Vorsorgevollmacht.

 

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